Von Thalkirchen bis zur Brudermühlstraße

Am 12. April werden wir als Teil des Ferienangebotes freudig von 18 Kindern und Jugendlichen in Thalkirchen im 2 Club begrüßt. Bereits vor Beginn des Checks kommt die ein oder andere Frage auf und die Stimmung ist gelöst.
In der Vorstellungsrunde zeigen sich die Teilnehmenden sehr zurückhaltend, was sich während dem praktischen Teil des Checks aber schnell ändern wird.
Wie die Gruppenaufteilung ist? Weil es von den Gruppengrößen genau aufgeht: „Mädchen gegen Jungen.“



Nachdem diese Frage geklärt ist, die Kinder und Jugendlichen mit den Gruppenleitern vertraut sind und die Routen verteilt sind geht es auch schon los.
Das Wetter macht dem Monat April alle Ehre, aber trotz des dunklen und wolkenverhangenem Himmel bleiben wir trocken und es zeigt sich sogar hin und wieder die Sonne.

Die Mädels-Gruppe ist hoch motiviert, alle möchten am liebsten gleichzeitig sowohl blind als auch sehbeeinträchtigt sein und währenddessen im Rollstuhl sitzen. Und natürlich Kartenleser und Schriftführer und den anderen Kindern mit zeitweiliger Einschränkung helfen.
Wie gut, dass in den darauf folgenden 2 Stunden genug Zeit ist, um auch wirklich alles austesten zu können.

 
Die ersten Schwierigkeiten zeigen sich bereits beim ersten Stopp: Wie kann ich blind den Postkasten finden? Und wie soll ich diese kleinen Zahlen und Buchstaben lesen können, wenn ich nur schlecht sehen kann? Auch im Rollstuhl sitzend ist es fast unmöglich einenBrief einzuwerfen: Der Briefschlitz ist einfach zu hoch.

 

Auch der Container am Greinerberg macht alles nicht einfacher. Um gefährliche Hürden, wie den nicht abgesenkten Bordsteine nicht überwinden zu müssen, nehmen wir einen großen Umweg in Kauf.

Und als wir endlich da sind können die Kinder und Jugendlichen nur mit größter Mühe Müll entsorgen, denn auch hier ist die Öffnung zum Einwerfen sehr hoch. Und wenn man nicht so gut sehen kann sind die unterschiedlichen Container farblich nicht voneinander zu unterscheiden…

Auch die Straßenüberquerung zur Emil-Greis-Straße gestaltet sich schwieriger als gedacht: Die Ampel verfügt nicht über ein taktil-akustisches Signal und als sie nach einiger Zeit grün wird schafft es nicht einmal die Hälfte unserer Gruppe die Straße zu überqueren, da die Grünphase einfach zu kurz ist. Zum Glück sind die Autofahrer nachsichtig und lassen uns die nötige Zeit, sicher auf die andere Straßenseite zu gelangen.

Die schmalen Bürgersteige machen das Rollstuhlfahren zu einem Kraftakt. Und warum rollt der Rollstuhl immer Richtung Straße? Dass die Neigung des Gehweges dazu dient, dass Regenwasser ablaufen kann und so Überschwemmungen vermieden werden ist den angestrengten Kindern in diesem Moment herzlich egal.

Bedienen eines Geldautomaten vom Rollstuhl aus –
gar nicht so einfach

Trotz vieler Hürden erkunden wir einen ganz schön beachtlichen Teil des Stadtviertels und die Kinder werden immer sensibler für Barrieren jeglicher Art. Die förderlichen Bauten wie sprechende Aufzüge oder ebenerdige Zugänge werden regelrecht freudig bemerkt.

Im Supermarkt werden Nudeln, Reis und Co. erfühlt

 

Auch die Jungen-Gruppe erlebt so einiges auf ihrer Route. Zunächst wird der nahegelegene Spielplatz am Dietramszeller Platz erkundet. Aber Halt, wie soll ich mit dem Rollstuhl denn zu den Spielgeräten kommen? Und selbst wenn ich diese Hürde meistere kann ich ja keines der Geräte benutzen…

 

Und blind und ohne Hilfe ist es auch gar nicht so einfach, das Klettergerüst oder die Schaukel zu finden. Trotz Schwierigkeiten wird alles eingehend getestet. Ein besonders mutiger Junge traut sich sogar blind zu rutschen.

 

Auch ein Parkscheinautomat wird zu einer schwierigen Aufgabe. Für die Blinden ist es eine Hürde, die die innere Leitlinie undurchgängig macht. Aber immerhin geht dieser Automat bis zum Boden und ist mit dem Blindenlangstock gut zu ertasten.

Gemeinsam ist auch blind laufen ein wenig einfacher

Nachdem die beiden Gruppen das ganze Gebiet zwischen den U-Bahnstationen Thalkirchen und Brudermühlstraße erkundet haben, treffen wir uns alle gemeinsam wieder im 2Club um dort Gruppenfotos zu schießen und das Erlebte gemeinsam zu besprechen und den anderen einen Einblick in die persönlichen Erfahrungen zu geben.

Nachdem der Projekttag werden wir sogar noch zum Pizza Essen eingeladen, es gibt die leckere aus dem Steinofen. Glücklich über diese Mittagspause sitzen wir gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen an einer großen Tafel, führen Gespräche über die verschiedensten Themen und lassen so einen erfahrungsreichen und schönen Tag gemeinsam ausklingen.

Ein Dank geht an euch Kinder und Jugendliche!
Für eure Aufgeschlossenheit und die Bereitschaft, einen Vormittag lang so viele Dinge auszuprobieren.

Und natürlich danke ich dem wunderbaren Team von ehrenamtlichen Mitarbeitenden, durch euch wird es erst möglich immer wieder aufs Neue auf Herz und Rampen zu prüfen!

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